Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit meiner besten Freundin darüber, was für ein Balanceakt es ist, im Alltag Kindern, Mann, Haushalt und Job gerecht zu werden. Und dass wir bei dieser Gratwanderung an vielen Tagen neben der Wegmarkierung fahren.

Manchmal habe ich das Gefühl, der Haushalt macht das extra.

Teller stapeln sich im Spülbecken, die Berge „saubere und dreckige Wäsche“ in der Waschküche können nicht mehr voneinander unterschieden werden. Getränkekasten und Toilettenpapier liegen seit Tagen im Kofferraum und Spielsachen im ganzen Haus verteilt. Kennt ihr das? Ihr seid abends zu faul, mit den Kids das Kinderzimmer aufzuräumen, nachts tigert ihr rüber, um den Kleinen zu trösten, tretet baaaarfuß auf einen Legostein und das Schlimmste: man darf nicht mal laut „Scheiße“ rufen.

Während wir mit den Kindern puzzeln, hängen wir gedanklich bei der Steuererklärung. Jan erzählt etwas, aber ich gehe dabei im Kopf den Inhalt unseres Kühlschranks durch. Und nein, ich behaupte nicht mal, dass ich beides gleichzeitig kann. Ich kann es nicht und wenn nicht eine Sache liegen bleibt, dann hab ich ein schlechtes Gefühl. Deswegen, weil ich selten mit voller Aufmerksamkeit nur an einem Thema dran bin.

Dafür muss ich sagen, sieht es bei uns selten chaotisch, sondern immer ziemlich aufgeräumt aus. Im Moment haben wir allerdings auch den Vorteil, dass Jan nicht am Stück in einer anderen Stadt dreht und wir beide viel von zu Hause aus arbeiten. Die Ordnung kommt aber nicht von irgendwo her.

Nach dem Gespräch mit meiner Freundin machte ich mir Gedanken darüber, was wir alles dafür tun (können), um den Spagat besser zu meistern. Sowohl Kleinigkeiten, die den Haushalt betreffen, aber auch unserer ganzen Tagesablauf strukturieren und erleichern. Hier ganz viele Tips:


// 1: schon abends alles Nötige für den nächsten Morgen vorbereiten. Bei uns bedeutet das z.B. konkret: ich suche raus, was Niki, Emmy und ich anziehen und lege es ins Badezimmer. Um Frühstück, die Brotdose für den Kindergarten und das Mittagessen kümmere ich mich erst am Tag selbst.

// 2: eine tägliche To-Do-Liste erstellen. Ob ihr das am Abend für den kommenden Tag macht oder morgens für den jeweiligen Tag bleibt natürlich euch überlassen. Auf jeden Fall hilft euch eine Aufgabenliste dabei, dass im Alltag nichts vergessen wird und ihr strukturierter an den Tag rangeht. Noch ein Step weiter: Slots für diverse Aufgabenbereiche festlegen. Wir haben darüber schon mal in diesem Post übers Home Office gesprochen.

// 3: am Sonntag einen Essensplan für die Woche mit entsprechender Einkaufsliste machen. Somit reicht es uns aus, 1-2 Mal die Woche statt jeden bis jeden zweiten Tag einkaufen zu fahren – was unheimlich viel Zeit kostet. Wenn ich ohne konkrete Idee in den Supermarkt gehe, dann steuere ich zudem wahllos durch die Regale und halte mich unnötig lange im Laden auf.

// 4: einen sinnvollen Vorratsschrank anlegen mit Lebensmitteln, die sich lange halten und im Alltag vielseitig verwenden lassen. Beispiele: Nudeln, Reis, Kokosmilch, passierte Tomaten, Bohnen, Nüsse, Mehl, Fonds. Auch Toilettenpapier, Küchenrolle, Taschentücher, Waschmittel, Duschgels, etc. könnt ihr im Großpack und/oder größeren Mengen kaufen. Windeln und Feuchttücher bestellen wir nur noch online bei Lillydoo.

// 5: Jeden Abend gemeinsam mit euren Kindern das Spielzimmer aufräumen.

// 6: morgens vor den Kindern aufstehen. Ist manchmal ein Witz, ich weiß. Aber wenn es bei den Schlafzeiten eurer Kids möglich ist, dann würde ich das empfehlen, weil ihr so in Ruhe Zeit habt, ein paar Dinge zu erledigen, bevor euch der Alltag hat.

// 7: feste Spielzeiten für die Kinder einrichten. Tut den Kindern und euch gut und minimiert das schlechte Gewissen, weil man sie im Alltag sonst zu oft dazwischen schiebt oder abspeist.

// 8: jeden Tag, spätestens jeden zweiten eine Ladung Wäsche in die Maschine schmeißen. So entstehen erst gar keine großen Wäscheberge. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch Wäscheorganizer für Helles, Dunkles und Buntes.

// 9: Kinder einbeziehen und ihnen altersgerecht einzelne Aufgaben übertragen. Dazu gehören bspw. Wäsche in die Maschine laden, beim Aufhängen, Zusammenlegen und Verstauen der Wäsche helfen, Spülmaschine ein- und ausräumen, Abstauben etc. Im Alltag können uns die Kleinen viel mehr helfen, als man im ersten Moment vielleicht denkt. Zudem bekommen sie so ein Gefühl dafür, dass sie ein Teil des „großen Ganzen“ sind.

// 10: Ordnung halten – sprich: Alles hat oder bekommt einen Platz. Vor einiger Zeit habe ich schon über Marie Kondos revolutionäre Aufräummethode gesprochen (in diesem Post). Ihr Buch (dieses) kann ich euch nur wärmstes empfehlen. Sobald Alles einen festen Platz hat, an dem es aufbewahrt wird, ist Ordnung halten im Alltag SO viel einfacher. Allerdings erfordert das natürlich auch eine gewisse Disziplin, denn an diesen Platz sollte jede Sache, wenn sie nicht mehr gebraucht wird, direkt zurück geräumt werden. Ein weiterer Nebeneffekt, wenn ihr nach Marie Kondos Methode vorgeht: ihr habt grundsätzlich viel weniger Zeug. Ergo kann auch weniger rumfliegen.

// 11: analysiert, was euch wann am meisten Zeit kostet, die ihr in dem Moment nicht habt und ob es eine Möglichkeit gibt, diesen Zustand in eurem Alltag zu optimieren. Oft reichen kleine Modifikationen! Bei mir ist es z.B. das Haarewaschen. Ich lasse meine Haare meistens an der Luft trocknen, kann aber vor allem im Winter nicht mit nassen Haaren in den Kindergarten laufen. Also wasche ich sie jetzt einfach am Abend.

// 12: nie mit leeren Händen gehen. Tatsächlich habe ich eigentlich immer etwas in der Hand, wenn ich zwischen Räumen hin- und herlaufe. Ob das Dokumente sind fürs Büro, dreckige und saubere Wäsche, Spielsachen, Bücher, Putzmittel – ganz egal. Ich stehe fast nie vom Esstisch auf und gehe einfach nur in die Küche. Ich nehme bspw. Gläser mit und räume sie direkt in die Spülmaschine. Wenn ich in Nikis Zimmer etwas suche, hebe ich auf, was mir über den Weg läuft und lege es an seinen Platz. Gehe ich in die Speise um Haferflocken zu holen, nehme ich die Milchtüte mit und schmeiße sie in die Box für das Altpapier. Brauche ich etwas aus dem Abstellraum, klemme ich mir direkt eine Packung Windeln unter den Arm.

// 13: bevor wir mit unserer Abendroutine (Waschen, Schlafanzug anziehen, Zähne putzen) beginnen, macht einer von uns den Tisch und die Küche sauber. Sprich: alles vom Abendessen wandert in die Spülmaschine, der Tisch wird gewischt, genau so wie die Arbeitsplatte in der Küche. Lebensmittel kommen in den Kühlschrank, Stühle stellen wir wieder an den Tisch und wir saugen kurz durch. Zudem stellen wir fast jeden Abend (sollte sie voll sein) die Spülmaschine an, so dass die über Nacht laufen kann. Morgens wird sie dann ausgeräumt.

// 14: Geräte und Putzmittel anschaffen, die effektiv sind und einfach in der Handhabung. Zwei Beispiele: unser Staubsauger (dieser) ist so schnell einsatz- und griffbereit, dass ich nicht lang überlege, ob ich den jetzt raushole oder nicht. Einer von uns (meistens Jan) saugt mindestens 1 Mal pro Tag. Genau so mit den Putzmitteln: ich hab nicht mehr 1.000 verschiedene Flaschen und diverse Putzlappen für alle möglichen Oberflächen und Räume, sondern ein System, das sich bewährt hat.

// 15: einen Putzplan aufstellen. Dadurch, dass wir jeden Tag viel erledigen und aufräumen, liegt selten etwas rum. Aber es gibt auch andere Aufgaben, die nicht jeden Tag anfallen (Betten abziehen beispielsweise, nass wischen, Abstauben, Armaturen putzen etc.). Wenn die wöchentlich/ monatlich/ whenever einen festen Platz in eurem Alltag haben, werden sie nicht vergessen. Ich hab mal einen ganz umfassenden Post über den Frühjahrsputz geschrieben, wer Interesse hat, den findet ihr hier.

// 16: grundsätzlich eine Routine haben. Die könnte sich ja auch nur aus einzelnen von all den vorhergehenden Tips oder meinetwegen auch gerne noch mehr zusammensetzen. Routine klingt so richtig spießig und langweilig, hilft aber tatsächlich im Alltag, den Überblick zu behalten. Stresst es euch, wenn ihr Donnerstag Morgen um 6.50 Uhr merkt, dass die Fingernägel eurer Tochter zu lang sind und ihr außerdem dringend ihre Haare waschen solltet, dann führt einen Großkampftag 1-2 Mal die Woche ein, an dem gebadet wird und die Fingernägel geschnitten werden. Nur als Beispiel. Wie diese Routine aussieht ist natürlich total individuell und hängt extrem von euren Prioritäten und eurem Alltag ab.


Was ich zum Schluss noch zu sagen möchte: ich stolperte neulich über ein Video von Katia Saalfrank (dieses), das ihr euch unbedingt kurz ansehen solltet. Da wurde mir (noch mehr) bewusst, dass es keine Rolle spielt, ob der Wasserhahn entkalkt ist oder der Flur gewischt. Unsere Kinder sind nur so kurz klein und Zeit mit ihnen zu verbringen ist viel wichtiger und wertvoller, als vom Fußboden essen zu können. Wir fühlen uns persönlich wohler, wenn kein Chaos herrscht und das Haus schön sauber ist, aber wenn ihr merkt, dass ihr nicht alles unter einen Hut bekommt ist das vollkommen ok. Seid nachsichtig mit euch, ihr macht das toll. 🙂

Alles Liebe

Julia

*** Fotos kommen dieses Mal nicht von uns, sondern vom Blog BAREFOOT BLONDE !